NewsThe Band20 Jahre Reiter-FestivalShowsShopPress AreaCommunityDas Apokalyptische Archiv
TOURTAGEBUCH (Update: 05.10.) 12.09.2009

02.10. WIEN – ARENA [Bilder] + 03.10. LINZ – POSTHOF [Bilder]
Die letzen beiden Tourtage sind eine einzige Dauerparty. Auf der Bühne, vor der Bühne und hinter der Bühne wird alles gegeben, die letzten Kraftreserven mobilisiert. Das fällt aber nicht weiter schwer, denn sowohl in Wien als auch in Linz brechen die Läden vor dem Ansturm der Fans bald auseinander. Die Wiener erweisen sich mal wieder als Partypublikum Nummer eins. Der Gig ist ein einziger Rausch, wobei die Gesänge der Fans mit teilweise gemessenen 110db deutlich lauter sind, als der Sound aus der P.A., die hier auf maximal 100 db beschränkt ist. Weil wir heute Nacht in Wien bleiben werden (die Fahrer müssen einen extra langen Stop einlegen laut Fahrerverordnung), heißt das also feiern bis es wieder hell wird. Erst neun Uhr in der früh geht es weiter gen Linz, also massig Zeit. Wir schaffen es tatsächlich, fast bis dahin durchzumachen. Auf dem Arenagelände gibt es noch eine Reggaeveranstaltung, völlig andere Welt, ein völlig anderer Groove. Alles ist so gechillt. Korpiklaani schwenken auf der Tanzfläche bereits ihre Hüften, wir schwanken entspannt dazu, folgen dem Groove und der immer stärker werdenden inneren alkoholischen Unwucht. Gegenüber gibt es noch eine Absturzbar, wo es brüllend laute Rockklassiker gibt. So richtig harte Classics hat der Schallplatten-DJ zwar nicht, aber 'Battery' von Metallica ist ein guter Kompromiss. Der Tourtross bangt geschlossen und die Luftgitarre glüht. Das von uns heute keiner verlorengeht, ist schon erstaunlich, aber scheinbar hat jeder Musiker eine Art Automatikmodus, der ihn auch in den heikelsten Situationen irgendwie in den Bus wanken lässt. Die Katzenschmerzen, wie Kater seit kurzem bei uns heißt (ein Ungar in Budapest, der recht gut deutsch sprach hat das Wort erfunden), können ja lustig werden. Bye bye Vienna, good Morning Linz. Da ist er nun also gekommen, auf stillen Sohlen, der letzte Tourtag. Sonnenbrillenpflicht als man aus dem Bus kriecht. Alle sind komplett fertig und stochern mechanisch im Frühstück herum. Die Lebensgeister wollen heute behutsam angesprochen und angeregt werden. Bushaltestelle. Innenstadt. Linz hat sich herausgeputzt, Kulturhauptstadt Europas 2009. Schöne Architektur, schöne Plätze, schöne Donau. In Wien hatte ich ein Plakat einer Ausstellung entdeckt. SEE THIS SOUND. Die Verbindung von Bild und Ton als multimediales Happening. In Linz. Da gehen wir natürlich hin. Die Installationen und Ausstellungsstücke sind schlichtweg der Wahnsinn. Monitore, Kopfhörer, Schallendes, Klingendes. Hinter jedem Vorhang eine Überraschung. Der audiovisuelle Supergau im positiven Sinne. Man lässt sich einfach treiben. Besonders schrill. Ein neonrosa illuminierter riesiger weißer Raum mit weißém Plüschteppich. In den Ecken vier weiße Boxen, aus denen merkwürdige Geräusche dringen. Allumfassende, körperliche Erfahrung. Nach zwei Stunden betreten wird, reichlich beeindruckt und verwirrt, wieder die belebten Straßen von Linz. Zurück zum Club, heute nochmal alles geben. Am letzten Tourtag macht man ja bekanntermaßen viele Späße auf der Bühne. Besonders bei den anderen Bands. So verkleiden wir uns bei Ex Deo mit weißen Bettlaken, servieren Rotwein, Trauben und überreichen Fronter Maurizio ein Schaumstoff-Schwert, Korpi-Tonmann Pauko als Obelix und Alestorm-Fronter Chris als Asterix schießen jedoch den Vogel ab. So geht das dann bei jeder Band munter weiter. Bei 'The Longships Are Coming' entern wir die Unleashed-Bühne in zusammengeknoteten Reiter-Gummibooten. Dann Showtime, Linz geht völlig steil, trotz Hangover und schmerzenden Knochen lassen wir heut nochmal richtig die Sau raus. Nach der Trommelshow gibt es dann fast kein Halten mehr. Seemannsbräute wohin das Auge reicht und fast alle Musiker aus dem Tourtross auf der Bühne. Eine große, herzerweichende Abschlussfeier beginnt. 'Metal Will Never Die' ist der grandiose, fulminante Abschluss einer fantastischen Tour. Wir danken der Crew, die stets unermüdlich gearbeitet hat, wir danken den fantastischen Bands, mit denen wir fast einen Monat unterwegs waren. Der größte Dank aber gebührt den Fans, die diesen Partytross täglich zu Höchstleistungen animiert hat. Das Linzer Publikum darf stellvertretend für die gut 20.000 Fans, vor den wir in den letzten Wochen aufgetreten sind, die Blumen und Glückwünsche unsererseits entgegennehmen. Bei Korpiklaani findet eine echte Dauerparty vor und auf der Bühne statt. Wir haben einen Bierstand auf der Bühne aufgemacht, tanzen und hüpfen über die Bühne, spritzen Bier in die Massen, sehen fasziniert und fassungslos zu, wie die Finnen von Song zu Song immer besoffener werden und trotzdem irgendwie ihre Show durchziehen. Höhepunkt zweifelsohne das herrlich versoffene 'Happy Little Boozer' mit gefühlten 200 Gastsängern. Sänger Jonne packt sich immer wieder auf die Fresse, weil der Boden vom vielen Bier ordentlich glitschig geworden ist und er selbst auch mega Schlagseite hat. Und dann ist er da, der letzte Song des Paganfestes 2009 und trotz aller Freude beginnt die Wehmut im inneren zu nagen. Abschiede sind immer schlimm. Eine intensive Zeit geht zu Ende und nachdem man so viele Tage auf engstem Raum miteinander verbracht hat, heißt es nun Byebye und Auf Wiedersehen. Umarmungen, gute Wünsche, Klos im Hals. Harte Rocker, weicher Kern. Wir werden uns wiedersehen, keine Frage. Auf Festivals, auf anderen Touren dies- und jenseits des Atlantiks. Unser Fazit steht fest: die beste, größte und erfolgreichste Tour der Bandgeschichte geht gerade zu Ende. Die Reiter im In-und Ausland haben alles gerockt, was zu rocken ging. Wir fühlen uns sehr geehrt, was wir auf den knapp 12.000 km quer durch Europa erleben durften. Reitermania kann man nicht erklären, man muss zu den Shows gehen und sie dort erleben und aufsaugen. Unsere Akkus sind randvoll, auch wenn wir uns momentan nach den vielen Shows am Stück schon erschöpft fühlen. Aber unsere Saison hat gerade erst begonnen, in zwei Wochen geht es schon nach Russland, danach nach Frankreich und England, Vollgas-Weihnachten. Die neue Platte wächst und wächst. Die Erlebnisse der letzten Wochen werden und müssen Einfluss darauf haben, denn alles, was uns passiert, findet sich letztlich in irgendeiner Form auf unseren Alben wieder. Wir fühlen uns stärker als je zuvor und haben riesige Lust, im kommenden Jahr ein fulminantes, einzigartiges Album aufzunehmen, alle Mauern einzureißen. Gleich nächste Woche wird die Vorproduktion beginnen und den Schwung der letzten Wochen werden wir gut zu nutzen wissen. Für den Moment aber schwelgen wir in Erinnerung an das Paganfest 2009. Noch gut 200 km bis Weimar, das sind die letzten Zeilen dieses Tagebuchs. Ich hoffe, diese, zugegeben sehr persönlich gefärbten Eindrücke, haben ein wenig dazu beigetragen, sich auch ein wenig "an Bord" zu fühlen. Letztlich kann man nicht wirklich beschreiben, was wirklich auf Tour passiert, aber aufschreiben ist zumindest ein gutes und probates Mittel, sich in einigen Monaten oder Jahren zu erinnern, was sich im Herbst 2009 zugetragen hat. Mein persönlicher Dank gilt Immortal, Raised Fist und The Devil's Blood, die mir an jedem Morgen, wenn ich den vergangenen Tag Revue passieren lasse, eine angenehme, akustische Umgebung zauberten. Der Geist ist nur willig, wenn er in die richtigen Schwingungen versetzt wird. In dem Sinne, lasst es euch gutgehen, vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Over & Out. (Volk-Man)


01.10. INNSBRUCK – HAFEN [Bilder]
Nach einem ausgesprochen langweiligen, faulen Tag im Raststättenhotel geht die Tour mit neuem Bus weiter. Wir haben die Zeit zum gammeln, schlafen und herumwandern im Wald genutzt. Die Stimmung wechselte zwischen Traurigkeit und Freunde. Wir hatten verdammtes Glück, das realisiert man heute erst so richtig, trotzdem kotzt es uns an, dass die Mailand Show für uns nicht stattfinden kann, noch dazu wo Infos aus Italien drängen, dass der Club nahezu ausverkauft sei und massig Reiter-Fans vor Ort seien. Shit auch, aber wir haben beschlossen, die Worte hätte, wenn und aber nicht mehr zu verwenden. Es ist wie es ist! Im Keller gibt es einen Abzocke-Internetautomaten, der für 15 Min. satte 2 EUR berechnet. Und dann sind noch nicht mal alle Ports freigeschaltet. Na warte! Das Ding wird kurzerhand untersucht, siehe da, eine Netzwerkkabeldose. Nie auf Tour gehen, ohne eigenes Netzwerkkabel. Plug-In und siehe da, satte Standleitung angezapft. Und das beste, völlig umsonst. Wir finden, wir sind moralisch im Recht dazu. Es gibt ja auch einiges online zu stellen und jede Menge News zu verbreiten. Kaum dass die Bilder gepostet sind und Twitter die Nachricht gefressen hat, geht es richtig rund. Telefone fangen an zu klingeln, Emails rauschen rein, massig Traffic auf unseren Webseiten. Im Fernsehen kommt ein Bericht über unseren nächtlichen Zwangsstopp. Unleashed geben der größten Schwedischen Tageszeitung "Expressen" ein Interview. Alle großen deutschen Metalwebseiten (u.a. metal.de, powermetal.de, metal-hammer.de) bringen die Sache als Topnews. Verdammt, es wird einem dabei so richtig bewusst, wie krass die Sache für jemanden wirken muss, der gar nicht mit dabei war. Das ist die Rede von Beinahe-Katastrophe und dergleichen. Ziemlich viel Arbeit für den Kopf, das können wir euch sagen. Sind jedenfalls mega dankbar für die vielen aufmunternden Worte und Zeile, die ihr uns zukommen lasst. Abend um acht kommt dann Max mit dem neuen Bus. Juhu, endlich geht es weiter. Nur weg von diesem Ort. Innsbruck liegt gut 450 km entfernt, wird also schon ein kleiner Ritt werden. Bus mit Anhänger darf nämlich nur 80 km/h fahren, das nur mal zur Info. Trotzdem sind wir dann recht früh in Tirol. Da es noch kein Frühstück im "Hafen" gibt, mache ich mich mit Mon (Guitartech) auf in die Innenstadt. Kaffee trinken, ein bisschen shoppen, Sonne und Gegend genießen, die Lage von Innsbruck zwischen den hohen Bergen ist immer wieder sensationell. Andere, die später aufgestanden sind, entscheiden sich ähnlich und so kommt es in der Innenstadt immer wieder zu spontanen Begegnungen mit Leuten aus dem Tourbus. Kuck mal da, da vorn ist Max. Hupps, Ady, was machst du denn hier? Sitzen da drüben im Café nicht Unleashed? Schon lustig. Abends dann beste Stimmung bei den Reitern. Für die anderen Bands läuft es offenkundig nicht ganz so gut, sie wirken nach ihren Shows ziemlich ernüchtert. Ok, das Publikum ist nicht gerade spritzig und in bester Partylaune, aber wenn wir uns so die Performances anschauen, dann ist besonders bei den Bands, die gestern in Mailand waren, schon eine sehr starke Müdigkeit festzustellen. Die Stageaction wirkt sehr müde zum Teil, so eine lange Tour ohne Pause zu fahren, ist schlichtweg Wahnsinn. Unser Tag Pause, wenn auch unfreiwillig, hat uns wieder ordentlich Saft auf den Akku gegeben. Obwohl es sehr heiß in der Halle ist und stickig (hier in Tirol darf in Clubs noch geraucht werden), haben wir keine Mühe, das Set voller Power durchzuziehen. Die Leute gehen sehr gut mit und alles, was sich irgendwie durch den Unfall angestaut hat, wird heute freigesetzt. Yes, we are alive fuckers! Nach der Show treffen wir noch einige Fans aus Italien, die extra aus Mailand angereist sind, weil wir gestern dort nicht spielen konnten. Meine Güte, sind die aber auch fanatisch. Nicht zum ersten Mal in den vergangenen Wochen sind wir von tiefer Dankbarkeit erfüllt.


29.09. GRAZ – SEIFENFABRIK [Bilder]
Was soll das für ein verrückter Tag werden. Es geht recht unspektakulär los. Schönes Wetter, schöner Club, lecker Essen. Der Tag geht so dahin, das Aufregendste, was passiert ist der permanente Zusammenbruch des Wifi-Netzes jede Stunde. Stecker raus, Router fährt neu hoch und schon kann es weitergehen. Die Netzgemeinde atmet gemeinsam durch. Die Show dann der helle Wahnsinn, Graz feiert, wir haben 10 Seemannsbräute auf der Bühne, sind zwar nach der Show sehr geschafft aber happy. Zumindest reicht es noch dazu, ein Tänzchen auf dem Tisch zu wagen. Danach quick load in und auf nach Mailand. 700km, Italien wir kommen. Ich leg mich hin, zieh mir zum Einschlafen noch die neue Immortal rein als plötzlich lautes Geschrei im Bus losgeht. "The Bus is burning! Get out of your beds". Hä, solche Scherze in der Nacht sind gar nicht lustig. Ich ziehe den Vorhang zur Seite und mit trifft es wie ein Schlag. Überall Qualm, es stinkt verbrannt, echtes Chaos. Raus, raus, raus. Draußen Chaos pur, Feuer schlägt aus dem Motorraum, mit Feuerlöschern versuchen wir den Brand einzudämmen. Was für ein Glück, dass noch nicht alle im Bett waren. Diejenigen, die noch vorn bei Max saßen, bemerken nämlich irgendwann einen komischen Geruch nach verbrannter Plastik. Der Motor geht aus, der Rauch wird immer schlimmer, nennt es Zufall, Schicksal oder Fügung, aber genau in dem Moment kommt eine Autobahnraststätte. Ohne die zusätzlichen Feuerlöscher der Raststätte wäre uns der Bus vor den Augen vermutlich abgefackelt. Alle sind komplett durch den Wind, eine Mischung aus Schock, Freude und Wahnsinn. Niemand wagt/darf zurück in den Bus. Da drin hat sich eine beißende Qualmmischung verfangen. Die Feuerwehr kommt. Mit neun Löschzügen. Wasser frei. Als die Brandgefahr endgültig gebannt und der Rauch weg ist, können wir endlich unsere Sachen aus dem Bus rausholen. Licht geht keins mehr, mit Taschenlampen werden eilig alle Klamotten irgendwie in die Taschen gestopft. Erstmal alles raus. Die Polizei kommt. Das Fernsehen. Es sieht auf der Raststätte aus wie auf einem Basar. Überall Klamotten und Taschen, Instrumente, Boxen, Kisten. Und 22 unfreiwillige Nachtschwärmer. Keine Frage, die Show in Mailand morgen können wir vergessen, zumindest Swashbuckle, Unleashed und die Reiter. Shit. Aber es hätte wahrlich schlimmer kommen können. Der zweite Bus mit Korpiklaani, Ex Deo und Alestorm rollt auf den Parkplatz. Sie waren eine halbe Stunde hinter uns. Niemand kann glauben, was er da zu sehen kommt. Jetzt ist Manpower gefragt. Die Hänger müssen umgeladen werden. Das Paganfest wird nur mit 3 Bands nach Italien gehen, einige Verstärker sind aber bei uns im Hänger. Umladen in der Finsternis. Die Polizei vernimmt Max: "Welche Band ist bei ihnen an Bord?" Max: "Die Apokalyptischen Reiter". Der Polizist lacht. Kein Witz! Will heißen, sie müssen sich gar nicht wundern, dass ihn der Bus abgefackelt ist bei solchen Gästen. Fuchs und ich werden dann noch vom österreichischen Fernsehen interviewt. Eine reichlich bizarre Situation. In der Zwischenzeit hat Tourleiter David ein Hotel für uns besorgt, das sich, Überraschung, direkt auf dem Rastplatz befindet. Vor dem Hotel ein riesiger Spielplatz mit überdimensionalem Piratenschiff und einem Pferd. Hallo? Geht’s noch. Ist das hier eine Prüfung oder was will man uns damit sagen? Neun Leute, die Reiter samt Crew in ein Vierbettzimmer. Mehr Platz ist nicht. Auf den Boden kommen Matratzen, die wir aus dem Bus raus zerren. Jetzt haben wir endlich, was wir uns schon so lange wünschen. Einen Day Off. Einen Tag Pause. Fühlt sich gut und schlecht zur selben Zeit an. Immerhin: Es gibt einen Plan. Ein Ersatzbus aus Deutschland wird im Laufe des nächsten Tages hier zur Raststätte kommen. Von da geht es dann direkt nach Innsbruck, wo die übernächste Show stattfinden wird. Dann sitzen wir gepfercht zusammen im Hotelzimmer. 5 Uhr morgens. Hundekaputt und total überdreht. Im Schnelldurchgang werden die Weinvorräte geleert. Sonst fände man heute wohl keinen Schlaf. Nachdenklichkeit. Denn jeder weiß, dass wir heute alle Geburtstag haben.

(UPDATE:) Wie sicher herausgestellt hat, handelte es sich nur um einen Kabelbrand, der den Luftfilter entzündet hat. Gerade mit unserem Busfahrer Max telefoniert. Morgen wäre der Bus sogar schon wieder einsatzbereit. Der Bus wird zur Zeit in einer Werkstatt in Graz repariert, bevor er zurück nach Deutschland fährt.

28.09. BUDAPEST – DIESEL [Bilder]
Die erste Reitershow ever in Ungarn. Wir freuen uns natürlich wie Sau, allein der Umstand, in Budapest zu sein, hebt das Stimmungsbarometer. Gegen Mittag erreichen wir den Club, der Nahe dem Planetarium mitten in einem Park gelegen ist. Der verwinkelte Club soll früher angeblich als Disco (man munkelt, auch als Swingerclub) genutzt worden sein. The Nasty East. Kann uns aber auch egal sein. Wir werden von der Cateringchefin persönlich mit Handschlag begrüßt. Sie ist unsere Mama heute, im wahrsten Sinne des Wortes. Allein das Frühstücksbuffet ist der Wahnsinn. Im Laufe des Tages soll sich das immer weiter steigern, schlemmen auf Ungarisch ist angesagt. Wusste gar nicht mehr, wie echt sonnengereifte rote Paprika schmecken. Uns hält es natürlich nicht zu lange im Club, Stadtbummel ist angesagt. Metrostation Nepliget liegt gleich 2 Minuten neben dem Club, nur sieben Stationen, dann ist man mitten in der Innenstadt. Sehr praktisch. Wir flanieren und verweilen an schönen Plätzen. Architektur ist großartig, vom Schloss auf dem Hügel hat man eine herrliche Panoramasicht auf die Stadt, die Donau, das Parlament und die gewaltigen Brücken. Vor dem Stephansdom genießen wir Kaffee, Sonne und die herrlichen Dinge, die das Auge erhaschen darf. Die Hauptstadt Ungarns ist definitiv eine Reise wert. Überraschend viele Ungarn sprechen übrigens exzellentes Englisch und, man glaubt es kaum, Deutsch. Wir staunen nämlich nicht schlecht, als schon vor unserer Show "Reitermania-Rufe" durch den Saal schallen. Sind vor der Show gar nicht sicher, was wir von unserer Ungarnpremiere zu erwarten haben. Kennt man uns hier überhaupt? Wir lagen völlig falsch. Vom ersten Ton an bricht förmlich die Hölle los. Fühlt sich ein bisschen so an wie beim ersten Ausflug nach Russland. Eine sehr intensive Show, die mächtig Spaß macht. Wir müssen nach der Show so viele Hände schütteln und CDs unterschreiben. Fast jeder hat ein paar Sätze auf Deutsch parat, wir fühlen uns sehr geehrt und geschmeichelt angesichts dieser Herzlichkeit. Hören die verrücktesten Geschichten von Fans, wie sie an unsere Platten gekommen sind oder welch abenteuerlichen Reisen sie schon unternommen haben, um uns in den vergangenen Jahren live zu sehen. Dass wir heute hier in Budapest spielen, ist für viele die Erfüllung eines lang gehegten Traumes. Gegen drei Uhr geht die Reise weiter. Spätestens auf der nächsten Reiter-Tour ist ein Stopp in Ungarn fest eingeplant. Versprochen!

27.09. ZLIN – MASTERS OF ROCK CAFÉ[Bilder]
Die Autobahn in Ostmähren ist nicht gerade glatt wie ein Babypopo. Man wird gut gehend durchgeschüttelt in seiner Koje. So richtig ausgeschlafen hat also noch keiner, als wir in Zlin, einer 80.000 Einwohner Industriestadt ankommen. Der Charme des Ortes hält sich in Grenzen, viel Schwerindustrie, riesige Kraftwerke samt Schornsteinen, gewaltige Betriebsanlagen kämpfen zusammen mit funktionaler Ostblockarchitektur gegen die bunten Farbkleckse, die seit dem Ende des kalten Krieges dazu gekommen sind. Obwohl an dieser Stelle gesagt werden muss, dass es hier wirklich deutlich besser aussieht, als z.B. in der Ukraine, es gibt viele nette Reihenhäuser, sehr gepflegte Parzellen, das Wirtschaftswachstum in der Region war in der letzten Zeit beachtlich, was sich auch im Durchschnittseinkommen von 800 EUR niederschlägt, wie uns Clubchef George versichert. Das liegt nur wenig unter dem in den 5 neuen Bundesländern. Das Masters Of Rock Café ist ein nagelneuer Club, der mitten in einem Einkaufszentrumkomplex liegt. Obwohl Sonntag ist, haben hier alle Läden auf. Ein Teil des Parkplatzes wurde für unsere Busse abgesperrt. Das Wetter ist heute zauberhaft, locker 25 Grad. Netter Stadtbummel mit Eis essen und Käffchen trinken, allzu tschechisch sieht die Innenstadt nicht aus, die Geschäfte & Marken sind 1:1 wie zu Hause. Egal ob Kaufland, Deichmann, New Yorker etc., Globalisierung nennen das die einen, für andere ist das eher eine neue Art des Kolonialismus. Die Tentakeln der Weltkonzerne haben Zlin fest im Würgegriff. Da ist man fast dankbar für einen schrulligen, tschechischen Gemischtwarenladen, so man einen findet. Mit etwas mehr als 400 Leuten ist der Club heute nicht ganz so gut besucht, wie erhofft. Das tut der Stimmung aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Wir sind heute eh den ganzen Tagen verflucht. Begonnen hat das schon gestern in Stuttgart. Tontechniker Jan wurde von einigen Fans verwünscht und mit einem Fluch belegt. Sobald man schmutzige Gedanken hat, muss man beide Arme in die Luft reißen. Nach einigen Wochen auf Tour unter Männern braucht es dazu im Prinzip eh nicht viel, aber gerade heute hier in Tschechien haben wir unsere liebe Mühe, die Arme überhaupt wieder runter zu bekommen. Die Seuche breitet sich im Laufe des Tages erst auf den anderen Bus aus, zu später Stunde tief in der Nacht bei der Aftershowparty hab ich das Gefühl, dass es zur Epidemie, ach was, zur Pandemie geworden ist. Da direkt im Master Of Rock Café eine riesige Bar im Vorraum integriert ist, die natürlich noch Stunden nach Showende geöffnet hat, ist es nicht verwunderlich, dass de facto fast alle Tourteilnehmer hier ordentlich zuschlagen. Das große Bier kostet einen Euro und schmeckt verdammt lecker. Wir geben viele Autogramme, posieren für Fotos mit Fans, auf denen wir aber auch immer fast durchweg die Arme oben haben. Wir sind heute wirklich sehr albern und lustig, jede Menge Anekdoten für Rock N Roll Altersheim kommen heute Abend hier zusammen. Irgendwann gegen drei Uhr Nachts heißt es dann Abfahrt. Es ist ein Wunder, dass wir heute niemanden vergessen, bei dem Blutalkoholgehalt. Nasdrowje!

26.09.. STUTTGART – LKA [Bilder]
Die letzte Extended Show steht heute auf dem Programm. Die Türen gehen bereits 13 Uhr auf, echt ein Wahnsinn. Unsere Crew ist heute wirklich nicht zu beneiden. Aber sie machen echt einen Hammer Job auf dieser Tour, man kann das gar nicht hoch genug einschätzen. Danke Jungs! Stuttgart ist natürlich ganz fest in Reiterhand und unser Mercher Marco ist heute im Dauereinsatz. Das LKA ist schon bei den ersten Bands eine feuchtheiße Sauna. Ex Deo kommen heute besser an als an manch anderen Tagen, Alestorm blasen wieder alles weg und ihre fanatische Anhängerschaar tobt ausgelassen. Einherjer haben es danach schwer, die Halle leert sich ziemlich stark, aber zu Moonsorrow ist es wieder kappelvoll. Die Finnen sind erneut pure Magie und vollkommen faszinierend auf der Bühne. Während Unleashed den Thorshammer kreisen lassen, sind wir schon beim Warm-Up. Ein bisschen Dehnungsübungen, herumspringen, den Kreislauf in Schwung bringen. Beugt einerseits Verletzungen vor und ist andererseits auch ein gutes Mittel gegen die Aufregung jeder Show. Obwohl wir heute mit unserer eigenen Leistung nur zu 90% zufrieden sind (einige kleine Fehler, ein paar Probleme mit der Funkfrequenz von Fuchs' Mikrofon) ist das Feedback aus dem Publikum der schiere Wahnsinn. Jeder Text, jeder Refrain wird laut mitgesungen, ob Wall Of Death, gemeinsames Klatschen oder Springen, unsere Fans lassen es richtig krachen. Schade, dass nach einer Stunde schon Schluss sein muss, aber Festivaltour ist eben Festivaltour. Am 28.12. bei der großen Reiter-Stuttgart-Weihnachtsshow gibt es dann noch einen großen Nachschlag, versprochen! Nach Showende geht es zügig in die Busse, 800 km Fahrt, 13h nach Tschechien, stehen auf dem Programm. Hossa.


25.09. EINHOVEN – EFFENAAR [Bilder]
Meine Güte, in Eindhoven steppt echt der Bär. Liegt es am Freitag, oder am heute ebenfalls stattfindenden Stadtfest, aber als wir Nachmittag einen kleinen Bummel durch die 250.000 Einwohner Stadt in Ostholland machen, sind wir angesichts des Trubels auf den Straßen völlig perplex. Die Bars und Cafés sind schon prall gefüllt, in der Fußgängerzone buhlen abwechselnd Straßenmusiker, Feen auf Stelzen, verrückte Jesus-Christus-Jünger mit Rollstuhl und Blumen um Aufmerksamkeit. In einem riesigen, futuristischen Einkaufszentrum laufen die Proben auf dem Catwalk für eine später stattfindende Modenschau. An jeder Ecke sind spanischen Musikreisegruppen mit Gitarren unterwegs, denn Höhepunkt des Innenstadtfestes ist ein spanische Nacht, die in einem gewaltigen rot-weißen Festzelt gegen Abend beginnen soll. Ganz schön viel Informationen für das kleine Gehirn um diese Uhrzeit. Im Club, oder sollte ich besser sagen, in der Festung muss man auch aufpassen, dass man zurecht kommt. Das Ding erinnert eher an einen überdimensionalen Bunker aus dem Krieg, massive Wände, Türen, insgesamt 5 Stockwerke hoch, verwinkelt. Beine und Kopf können heute nicht einrosten. Korpiklaani machen heute wieder eine ihrer berüchtigten Disco Partys in ihrem Backstageraum. Den ganzen Tag läuft Retro-Disco-Mucke, der Raum ist verdunkelt, nur eine Discokugel dreht sich. Zu allem Überfluss sind die Finnen auch noch nackt und schon zu früher Stunde sehr trinkfreudig. Aber ihre gute Laune ist quasi stellvertretend für die Stimmung der Bands. Heute ist wieder richtig Metalparty angesagt, die Leute gehen überall sehr gut mit. Es ist irgendwie eine raue, versoffene Stimmung in der Halle. Das soll jetzt nicht negativ klingen. Es fühlt sich nur einfach so an. Härtere Moshpits, mehr fliegende Bierbecher, mehr komplett zugesoffene Leute, mehr Krach, mehr Geschrei. Besonders die ganz junge Generation scheint hier dem Alkohol hemmungslos zu frönen, was einige Peinlichkeiten auf den Plan ruft. Zumindest wenn man dem glauben darf, was einem den ganzen Tag über so zugetragen wird. Wir sind heute ziemlich faul, hängen die ganze Zeit Backstage ab, hören Metal Klassiker und denken uns coole Dinge für die unsere X-Mas Tour vom 26.12. – 30.12. aus. Zettel und Stift liegen parat, wir haben echt eine gute Zeit und ratz fatz ist der Zettel vollgeschrieben. Als Tourmotto-Vorschläge sind so geniale Sachen wie "Schreinachten" oder "Mit 210 ins Jahr 2010 – Highspeed Weihnachten mit den Reitern" dabei. Na mal kucken, was dabei rauskommt. Wegen Zeitdruck und der langen Fahrt nach Stuttgart müssen wir recht überhastet aufbrechen, denke mal, die Brainstorming-Session wird heute abend noch fortgesetzt.


24.09. ILLINGEN – ILLIPSE [Bilder]
Aspirin ist heute vielgefragt, die letzte Feier hat Spuren hinterlassen. Verkatert schleppt sich ein Tourteilnehmer nach dem anderen aus dem Bus. Willkommen in der Provinz. Willkommen im Saarland. Willkommen in Illingen. Eine Kleinstadt mit einem gewaltigen Kulturzentrum. Viele Mitarbeiter, viele Vorschriften. Das Gegenteil von Rock N Roll irgendwie. Besonders die Amis sind völlig geflasht, dass man uns 40 Räuber (wo ist Ali Baba?) hier rein lässt und empfängt. Alles ist großzügig dimensioniert, Bühne, Saal, Backstage. Fühlt sich gut an. Nachdem alle aus den Kojen gekrochen sind, marschieren die Reiter samt Crew zum Fotografen. Wir müssen dringend unsere Visa für Russland beantragen, denn bereits in einem Monat sind wir dort wieder auf Tour. Das sollte eigentlich alles schon vor der Tour passieren, nun wird es eben etwas hektisch. Wir stapfen durch die Tristesse einer zubetonierten Kleinstadt, absolvieren im Schnelldurchgang den Passbild-Parcours und gehen danach in ein Eiscafé, wo wir zusammen mit Unleashed lecker Süßspeisen vernichten. Danach abhängen bis zum Gig, warten, warten, surfen, surfen. Die erste Tourmüdigkeit ist heute bei allen Bands spürbar. Wenn man die vorangegangenen Shows im Gedächtnis hat, dann ist Illingen heute schon eher ernüchternd. In jeder Hinsicht. Aber ohne die Aufs und Abs wäre das Leben selbst und somit auch Touren sicherlich deutlich reizloser und unspannender. Immerhin, wir bekommen heute eine gigantische Reiter-Torte geschenkt, was die Mühen des Tages mehr als wettmacht. Und was schmeckt die lecker. Asti Cinzano!


23.09. PRATTELN – Z7 [Bilder]
Ein Stop im besten Metalclub der Schweiz ist absolute Pflicht auf dieser Tour. Scherzhaft erinnern wir uns gegenseitig, dass heute in Pratteln nicht Tourende ist (ich glaube, drei Reitertourneen fanden hier schon mal ihren Abschluss), sondern das gerade mal Bergfest gefeiert wurde. Da der Club im Vorort von Basel als einer der wenigen auf der Tour über Waschmaschine und Trockner verfügt, ist heute für fast alle Waschtag angesagt. Ein lange Schlange von Beuteln mit schmutziger Wäsche bildet sich vor der Waschmaschine. Um Platz und Zeit zu sparen, wird meist pro Band alles auf einen Haufen geschmissen. Besonders lustig ist danach das Sortieren der gefühlten 400 schwarzen Socken und Unterhosen. Zum Schießen. Bei gutem Wetter lässt es sich gut abhängen, das W-Lan schnurrt wie eine Katze und die Bands pimpen ihre Websites mit den neusten Entwicklungen vom Paganfest. Immer interessant, wie die Tour aus den unterschiedlichsten Blickwinkel beleuchtet wird. Die Vorfreude auf die Show heute ist groß, denn hier zu spielen ist immer sehr angenehm (tolle Bühne, beste Technik, nette Haustechniker), zudem sind schon über 1000 Karten im Vorverkauf weggegangen, sprich es wird richtig voll. Die Schweizer lassen sich dann auch nicht lange bitten, Ex Deo und Alestorm kommen extrem gut an. Die Kanadier haben es mit ihren epischen, langsamen Songs oftmals nicht so einfach, das partywütige Volk auf ihre Seite zu ziehen, aber heute hat ihr Auftritt echt Größe und das Z7 erzittert unter den Schlachtrufen ihrer Fans. Alestorm beweisen wieder mal, dass alle, die dieses "Piratending" mit einem Wisch abtun wollten, komplett danebengelegen haben. Gerade die jungen Kids stehen völlig auf die ganze Maskerade, putzen sich selbst als Piraten heraus und wollen vor allem Party, Party, Party. Das ist so ansteckend, dass ich fast geneigt bin, das Paganfest in Piratefest oder Partyfest umzutaufen. Denn so richtig "Pagan" (wie immer man das auch definieren will) ist hier bestenfalls Unleashed auf dem Billing. Aber darum geht es im Endeffekt auch gar nicht. Die Bandauswahl ist jedenfalls stimmig und funktioniert bestens, die brechend vollen Clubs überall auf der Tour sind der beste Beweis. Überall wird ausgelassen gefeiert, Bier und Met fließen in Strömen, wahlweise aus dem Trinkhorn oder dem Plastikbecher, was macht das schon? Die Reiter Show ist Gänsehaut pur. Wir können uns nicht erinnern, jemals in der Schweiz so abgefeiert worden zu sein. Das ist schon fast unheimlich, was während der Show abgeht. Die Stimmung ist demnach extrem ausgelassen und bis zur Abfahrt der Busse wird weitergefeiert, viiiiiel getrunken. Swiss in the back, Kopfschmerz ahead!


22.09. LYON – TRANSBORDEUR [Bilder]
Als wir endlich den schicken Club nahe des Lyoner Universitätsgeländes erreichen, hat Busfahrer Max bereits etlichen Schweiß vergossen. Erst eine Reifenpanne auf der Autobahn, dann der Hindernisparcourt in der Rhonemetropole, bestehend aus zahlreichen Tunneln, Brücken, für die unser Bus samt Hänger viel zu hoch und schwer ist. Auch ernste Worte mit dem Navi helfen wenig, immer wieder will es uns in Straßen schicken, die für unser 40 Tonnen Gefährt nicht ausgelegt sind. Das gesamte Team des Clubs sitzt gerade geschlossen beim Mittag, als wir aufschlagen. Die Auswahl vom Buffett ist der Wahnsinn, Flammkuchen, riesiger Käseteller, Salate. Es soll im Laufe des Tages immer mehr und besser werden, eine echte Schlemmerreise ist das heute irgendwie. Da es morgen in die Schweiz geht und sämtliche T-Shirt verzolllt werden müssen, ist heute große Inventur bei allen Bands angesagt. Danach geht es für einen Bummel in die Stadt. Die Stadt ist leicht hügelig, gegenüber vom Stadtzentrum am anderen Ufer der Rhone thront ein gewaltiger Kirchenbau in lichter Höhe. Die reiche Gegend rund um Lyon hat ihre besondere Bedeutung in der Landesgeschichte. Zentrum des Katholizismus, Wirtschafts/Wissenschaftszentrum, Weinregion. Das Tor nach Südfrankreich. Die Innenstadt wirkt angenehm, schöne Plätze und Straßen, viel gut erhaltene Bausubstanz. Ein sensationeller Brunnen mit einem Pferdegespann flasht uns komplett. Von Zeit zu Zeit kommt aus den Nüstern sogar Wasserdampf heraus. Die Temperaturen sind extrem mild, in den Bussen des öffentlichen Nahverkehrs ist es schweißtreibend. Vor dem Club werden wir bereits von zahlreichen Fans erwartet, die Autogramme haben wollen. Sie freuen sich sichtlich, die Reiter live zu sehen, für viele ist es die erste Show von uns überhaupt. Es passiert leider nicht zu oft, dass es in Frankreich neben den obligatorischen Paris-Shows noch weitere Shows gibt. Das liegt vor allem an den riesigen Distanzen und den damit verbundenen Unwegbarkeiten. Die Ausstattung des Clubs ist der Wahnsinn, gigantische Bühne, fette Anlage, großartiges Licht. Unser Tonmann Jan und Lichtgott Andreas sind happy. Vor der Show und erst recht danach. Wir haben Lyon offensichtlich im Sturm erobert, die Franzosen feiern ausgelassen, tanzen, klatschen und rennen sich bei der Wall Of Death fast die Schädel ein. Viele Autogramme, Fotos und Smalltalk nach der Show. Die Verständigung ist nicht immer einfach, unser Französisch ist mies, das Englisch der meisten Franzosen auch. Aber macht nix, improvisieren ist angesagt. Zwischendurch immer wieder mal tanzen bei Korpiklaani. Ist schön, mit den Finnen unterwegs zu sein. Gar nicht auszudenken, wenn zum Schluss irgendein Krawall-Act stetig Krach machen würde. Aber der Sound der Finnen ist schlicht Party pur, besonders der Song "Happy Little Boozer" hat mich gerade völlig angefixt. Ach ja, heute war übrigens Bergfest. Die Hälfte der Tour ist schon wieder vorbei. Man kann das alles gar nicht glauben. Schon eine verrückte Zeit, die so ein rollender Wanderzirkus mit sich bringt. Merci Lyon, Merci Frankreich, wir kommen bald wieder, versprochen.


21.09. PARIS – LaLoco [Bilder]
Unglaublich dichter Verkehr mit wahnwitzigen Motorradfahrern, die zwischen den Spuren der Autobahn springen, ist das erste, was wir von der französischen Hauptstadt mitbekommen. Eine Riesenstadt. Die Stadt der Liebe ist, wenn man im dichten Verkehr hineinfährt und die unendlichen Vororte passiert alles, nur eins nicht, romantisch. Dennoch ist der Zauber von Paris ungebrochen, hier zu spielen ist definitiv was Besonderes und das wissen alle Bands. Die Bedingungen heute sind allerdings etwas anstrengend. Da der Club LaLoco mitten im Zentrum liegt, genau genommen auf der Pariser Sündenmeile Pigalle direkt neben dem Moulin Rouge, können unsere Busse dort nur kurz zum Parken halten. Binnen einer halben Stunde muss alles raus aus dem Bus, verschlafenen Musiker mit Sack und Pack. Bloß an alles denken, denn was man im Bus vergisst, ist heute nicht mehr erreichbar. Nach gutem Frühstück im Club gehen wir natürlich zum Sightseeing in die Stadt. Es ist etwas diesig, aber sonnig, über 20 Grad, T-Shirt Wetter. Montmatre samt Sacre Coers ist gleich um die Ecke. Kurzer Aufstieg, herrlicher Blick über die Stadt und ein gutes Gefühl: yeah, wir sind hier. Der Vorverkauf ist super, es verspricht eine heiße, lange Nacht zu werden. Wegen Auflagen darf es erst um acht losgehen. Korpiklaani gehen also erst halb zwei in der Nacht auf die Bühne. So bleibt also massig Zeit für die Stadt, auch cool. Die Reiter schlurfen zusammen durch Montmatre, genießen den guten (leider teuren) Kaffee, das Flair, die verrückten Geschäfte und die Mädchen, die an unser vorbeizeihen. O lala. Nach zwei Stunden sind wir wieder am Club, verdammt, immer noch so viel Zeit. Ich fühle mich ganz fit, springe in die Metro und fahre erstmal zum Arc de Triomphe, schlendere über den Champs Ellysee. Danach weiter zum Eiffelturm. Wenn man schon mal hier ist. Dann weiter mit nach Montparnasse am Südüfer der Seine. War vor einigen Jahren schon hier unterwegs und erinnere mich ziemlich gut. Lasse mich einfach treiben, quer durch die Stadt zu Fuß, die Nachmittagssonne, schöne Bistros und Cafés, schräge Läden. Studentenviertel Quartier Latin, ein Platz, innehalten, verweilen. Anregende Atmosphäre, die einem Flügel verleihen will. Immer wieder erstaunlich, wie schön und abgefuckt, wie still und brüllend laut Paris zur selben Zeit sein kann. Und wie unerträglich es überall da ist, wo man die Touristen in Herden durchtreibt. Dabei reichen oft schon zwei Querstraßen, um den Massen zu entfliehen. 18 Uhr, immer noch T-Shirt Wetter. Pont Neuf, herrlicher Blick auf den Fluss und die Stadt. Rüber auf die Nordseite. Die Füße laufen automatisch, Shoppingmeilen, Kneipenviertel, Plätze zum verweilen. Skater, Penner, Seilartisten, Hooker, Kids und Touristen prügeln sich mit den Tauben um die besten Plätze. Die Metro unter mir ist eine gute Versicherung gegen das Verlaufen. Wenn man nicht mehr weiß wohin oder wissen will, wo man ist, einfach eine Etage tiefer fahren und schon hat das Radar die neusten Koordinaten. So völlig ohne Reiseführer unterwegs zu sein macht irre Spaß. Bin überrascht, wie schnell man zu Fuß durch die Stadt kommt. Bin von Montparnasse fast wieder zurück zum LaLoco gelaufen. Dort ist mittlerweile die Hölle los. Paganfans belagern den Eingang, eine gewaltige Schlange Metalheads inmitten dieser Umgebung. Als das Fernsehen kommt und filmt, fangen alle an zu kreischen und brüllen. Die Touristen knipsen was das Zeug hält, wie lustig. Ob die ahnen, was hier los ist? Oder fürchten sie, die dunkle Horde will ins Moulin Rouge? Einige Fans haben sich als Piraten rausgeputzt und sehen aus wie auf dem Karneval. Das Piratending kommt besonders bei den jungen Fans extrem gut. Ich treffe auf eine ganze Truppe Spanier, die extra aus Barcelona wegen dieser Show angereist sind. Mangels eigener Spanienshow auf dem diesjährigen Paganfest haben sie eine Woche Parisurlaub genommen. Sie sind die ganze Zeit in ihrer Piratenkluft unterwegs, haben ihre Taschen voller leckerer Getränke. Besonders lecker, Desperados Red, angeblich ganz neu auf dem Markt. Aber noch haben wir eine Show zu spielen und daher ein bisschen aufpassen, was man vorher trinkt. Während ich dastehe, kommen Ady, Sir G. und der Doktor angeschlendert, die hatten sich auch nochmal zum Eiffelturm aufgemacht. Da heute nichts im Club gekocht wird, erhalten wir Geld für Essen außerhalb. Fällt bei der großen Auswahl hier aber echt nicht schwer. Asia-Food macht mal wieder, wie so oft bei den Reitern, das Rennen. Gut gestärkt geht es in die Saunahölle. Der Club trieft vor Schweiß, im Backstage ist es im Prinzip unerträglich. Dort gibt es kein einziges Fenster und nur einen einzigen, nicht mal großen Raum, wo sich alle Musiker aufhalten müssen. Keimig und versifft trifft wohl am ehesten auf die Beschreibung dieses Ortes zu. Besonders der Teppich ist so dermaßen ekelhaft, möchte nicht wissen, wie viele Kleinstlebewesen darin hausen und nur darauf warten, einen Menschenfuß aufzufressen. Wir sind mächtig aufgeregt vor der Show, aber die Aufregung legt sich schlagartig beim ersten Ton. Haben heute massig Energie, einen extrem fetten Sound und lassen es richtig krachen. Das tanz/klatsch/pogowütige Publikum ist sofort Feuer und Flamme. Das macht riesig Spaß. Wir haben eh den Eindruck, dass die Franzosen extrem gut mit unserem Sound klarkommen, das haben wir bereits letztes Jahr bei den Shows mit In Extremo und auf dem Raismesfest gemerkt. Unser Shirtstand wird nach Ende des Set fast überrannt und wir schütteln noch viele Hände, geben Autogramme und posieren mit Fans auf Fotos. Sehr herzlich das Ganze. Sind echt happy, dass es morgen weiter nach Lyon geht und mit dem Metal Ride Festival in Nancy noch ein weiteres Festival in Frankreich dieses Jahr auf dem Programm steht. Die Zeit vergeht dann wie im Fluge. In Ermangelung jeglichen Sauerstoffs und der hitzigen Temperaturen im Club, stehen wir draußen und vernichten Martini und Sekt. Zu sehen gibt es immer was. Komplett aufgebrezelte Gäste des Moulin Rouge und Freaks aller Art. Nach kurzer Verhandlung schaffen wir es, sogar noch in einen Tanzklub reinzukommen, obwohl der große, schwarze Türsteher gar nicht so begeistert von unserem Outfit ist. Kleines französisches Pissbier, 0,2 Liter = 5 Eur. Noch Fragen? Naja, dann doch lieber wieder vor dem LaLoco abhängen. Obwohl heute massig Korpiklaani-Fans am Start sind, lehrt sich die Halle während ihres Sets ziemlich. Viele sind auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, die bekanntlich nicht ewig fahren. Danach alles zusammen packen, um kurz nach drei Uhr nachts kommen endlich die Busse. Nach dem Load In geht es sofort los. Max spendiert allen, die noch wach sind, eine kleine Paris-BestOf-Tour mit dem Bus. Paris bei Nacht. Jeder genießt auf seine Weise den Blick aus dem Fenster und hängt seinen Gedanken nach. Was für ein verrückter Tag.


20.09. ANTWERPEN – HOF TER LO [Bilder]
Meine Güte, die Party gestern hängt heute aber allen in den Beinen. Da es wieder eine Extended Show ist, muss schon wieder ab 10 Uhr ausgeladen werden. Das Gelände rund um den riesigen Club versprüht eine gewisse Endzeit-Stimmung. Mit Erfolg wurde hier sämtliches Leben, so scheint es, von Beton verdrängt, im Sekundentakt dröhnt es vom nahen Autobahnkreuz herüber, genau das richtige Szenario für einen Hangover. Eine Flucht wäre dringend angebracht, aber wohin. Google Maps hat die Lösung parat, denn ganz in der Nähe gibt es, aus der Luft betrachtet, einen gewaltigen grünen Fleck inmitten des Antwerpen-Graus. Und tatsächlich, nur zehn Minuten Fußmarsch vom Klub befindet sich "Het Revierenhof", mit 130 Hektar der größte Park der Stadt. Was für ein Kontrastprogramm. Wald, Wiesen, Bäche und Teiche, gute Luft und angenehme Ruhe. Es wimmelt zwar von Sonntagsausflüglern, aber die Belgier sind gut gechillt, zudem ist der Park so weitläufig, dass es nicht weiter auffällt. Zurück am Hof Ter Lo. Der Laden ist schon rammelvoll, sehe noch ein paar Songs von Einherjer und bin danach total von Moonsorrow geflasht. Echte Weltraummusik, was die Finnen da abziehen: magisch, vielschichtig und mitreißend. Auch wir legen heute einen fulminanten Gig hin, das ist für uns erst die sechste oder siebte Show in Belgien überhaupt, ab so steil wie heute, sind die Belgier noch nie gegangen. Wir sind sehr happy. Danach viel Meet & Greet mit Fans. Wie sich herausstellt, sind auch einige Franzosen angereist, die uns auf den nächsten Shows in Paris und Lyon begleiten wollen. Wir freuen uns auch riesig auf die kommenden Tage.


19.09. DORTMUND – FZW [Bilder]
Mit dem nagelneuen FZW in Dortmund gibt es ab sofort einen oberamtlichen Laden in der Stadt. Ausstattung ist vom feinsten, Ton, Licht, Backstagebereich, einfach ein Genuss. Mit 1500 Leuten ist der Club komplett ausverkauft. Heute gibt es eine Extended Show, drei zusätzliche Bands, Ahnengrab, Einherjer und Moonsorrow sind mit dabei. Bekomme davon aber nix mit, da ich den ganzen Tag auf der Hochzeitsfeier meiner Schwester bin und erst halbe Stunde vor der Reiter-Show aufschlage. Das Ruhrgebiet war ja immer schon eine Reiter-Hochburg, was sich heute wieder eindrucksvoll bestätigt. Der Saal hüpft, tanzt, lacht und schreit, eine echte Augen- und (Hurra!) Ohrenweide. Nach der Party ist vor der Party. Wir haben gestern aus Erfurt 80 Thüringer Bratwürste, Grill samt Holzkohle mitgeschleppt und feiern heute eine zünftige Grillparty. Alle Bands und Crewmitglieder sind eingeladen, es wird wirklich ausgesprochen lustig. Die Amis können gar nicht genug von den Rostbratwürsten bekommen. Es wird viel gelacht. Unser Reitermaniacs-Fanclub ist in Kompaniestärke angereist, das Streetteam von Nuclear Blast. Als Admiral Nobeard (Swashbuckle) dann als rappende Fleischtonne Wu-Tang-Klan rappt, brechen wir vor Lachen bald zusammen. Der Einherjer-Tonmann ist so besoffen, das er partout im Korpiklaani-Bus schlafen will. Den Finnen wird es irgendwann zu bunt (zumal der Norweger ziemlich Aggro drauf ist) entfernen ihn auf ihre Art aus ihrem Gefährt (hüstel). Um vier am Morgen starten die Busse gen Antwerpen.


18.09. ERFURT – STADTGARTEN [Bilder]
Fast zu Hause und doch weit weg. Ein komisches Gefühl, einen Tourstopp quasi vor der Haustür zu haben. Die Stadt entdecken, wenn man sie fast wie seine Westentasche kennt? Kommt drauf an, wie man das sieht. Da die Sonne schön warm scheint, gehen wir auf ein Käffchen in die City. Der Bundestagswahlkampf liegt in den letzten Zügen, Die Linke macht heute ein Straßenfest, Spätsommer in Thüringen. Gratis gibt es ein "Neues Deutschland" abzugreifen, was auch gut ist, denn aus unerfindlichen Gründen liegen seit wenigen Tagen immer "Bild" in der Buslobby. Das kann so nicht hingenommen werden. Finden ein lauschiges Terrassencafé über der Gera, danach obligatorische Runde über Wenigenmarkt, Fischmarkt und Domplatz. Zurück am Club ist dann erstmal Muskelkraft gefragt, denn die nächste Ladung druckfrischer Shirts trifft gerade ein. Schön viele Kisten. Wie ein Kamel, das permanent Wasser braucht, um durch die Wüste zu kommen. Oder sind wir die Wüste selbst? Auf den reichlich verwinkelten Treppen und Nebengelassen des Clubs kann man darüber nachdenken. Heute verläuft sich jeder permanent. Der Club, der zu DDR Zeiten als Gewerkschaftshaus des FDGB herhalten musste und in dem auch schon August Bebel flammende Reden hielt, ist ziemlich schräg. Oder besser gesagt hoch. Viel zu hoch um genau zu sein, denn es hallt und schallt hier fast wie in einer Kirche, was unseren Soundgott Jan dazu veranlasst, die Erfindung eines negativen Halls einzufordern. An der Soundfront ist heute als mehr als Höflichkeitsapplaus nicht drin, zumindest für audiophile Ohr. Ansonsten halt ziemlich dreckiger, verwaschener Sound. Das Publikum geht trotzdem bestens mit. Wie immer sind die Erfurter im Knochenpogo nicht gerade zimperlich. Und die Wall Of Death ist einfach ne Macht, das man einfach aufhören möchte zu spielen und zuschauen, wohlwissend, das genau das, eben aufhören zu spielen, die Wall Of Death in sich zusammenfallen lassen würde. Schon wieder ein gordischer Philo-Knoten. Über den man aber besser im Stillen für sich philosophieren darf. Heute sind zu viele Freunde, Bekannte und Verwandte da, als dass man deswegen den schönen Feierabend Plausch sausen lassen würde. Ende gut, Erfurt gut.


17.09. FRANKFURT – BATSCHKAPP [Bilder]
Mächtig eng wird es heute im legendären Metalschuppen in Frankfurt. Da es nur zwei kleine Backstageräume gibt, werden exakte Zeiten festgelegt, wann welche Band die Räume beziehen darf. Die restliche Zeit darf/muss man im Bus bleiben, so man will, oder man drückt sich ein wenig in der Gegend herum. Die Batschkapp ist schon seit Wochen komplett ausverkauft, deswegen muss der riesige Merchandise-Stand auch direkt in den Garten verlegt werden, nur gut, dass es nicht regnet und zudem auch angenehm mild ist. Bereits am frühen Nachmittag ist der Club gut gehend von Fans belagert. Jeder spürt, dass es heute wieder eine dieser denkwürdigen Shows werden wird. Bisheriger Stagediving und Crowdsurfer Rekord auf der Tour. Da es keinen Graben gibt, kommt das ganz extrem intensiv und direkt rüber. Wir schicken gleich zwei Mädels ins Schlauchboot, dass aber relativ schnell unter lautem Gejohle gekentert wird. Körper, Schweiß, Freude, Energie unlimited. Eine echte Metal-Schlacht. Treffen danach noch die Leute von metalcon.de, wo wir am 6.11. in Wiesbaden (Schlachthof) auf der einjährigen Community-Party spielen werden. Sehr nett. Wie immer ein denkwürdiger Abend in Frankreich (legendärer Versprecher von Fuchs sorgt für Heiterkeit)!


16.09. HAARLEM – PATRONAAT [Bilder]
Zum ersten Mal geht das Paganfest ins Ausland. Holland ist bekanntlich immer eine Reise wert, noch dazu Haarlem, ein kleines Städtchen in der Peripherie von Amsterdam. Bei besten Wetter rollen wir in die Stadt ein. Mit In Extremo waren wir vor nicht mal einem Jahr hier, die Erinnerungen daran waren etwas ambivalent: sehr schöner Club aber leider sehr wenig Besucher. Der Vorverkauf heute sieht leider nicht so prall aus, na mal sehen, was das am Abend wird. Etliche Stunden bleiben bis dahin aber Zeit, da wir heute keinen Soundcheck haben, können wir ganz in Ruhe durch die Stadt schlendern, die Atmosphäre genießen, Käffchen trinken und hübschen Holländerinnen auf dem Fahrrad hinterher kucken. Apropos. Die Bandbreite verschiedenster Drahtesel aller Art ist umwerfend. Besonders die Nutzfahrräder mit teilweise bis zu 3 Kindersitzen und großem Behälter für Einkäufe aller Art sind gelebte grüne Realität. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es hier aussehen würde, wenn alle Radfahrer stattdessen im Auto unterwegs wären. Licht- und Sonnenbetankt sind wir am späten Nachmittag wieder Club. Die Show gibt heut generell ein bisschen Rätsel auf. Richtig voll wird es nicht (etwas mehr als 400 Gäste) und die, die da sind, wollen sich auch nicht so recht in Stimmung bringen lassen. Da es im Backstage einen Fernseher mit Livebildern von der Show gibt, lässt sich das ganz gut beobachten. Das wirkt heute alles ziemlich statisch und wir müssen heute schon alle Register ziehen, um die Gäste in Wallung zu bringen. Immerhin, die Wall Of Death ist extrem rabiat und unsere Seemannsbraut, hmmmm. Da die zweite Holland-Show in Eindhoven in wenigen Tagen aber komplett ausverkauft ist, fällt die Kaffeesatzleserei, wieso das Paganfest hier in Haarlem kein echter Erfolg war, ein bisschen schwierig aus. Anyway, wir mischen uns dann unters Publikum und genießen den "Dutch Way Of Life". Trotzdem ein schöner Tag heute!

15.09. HAMBURG – MARKTHALLE [Bilder]
Shows in Hamburg sind für uns immer was ganz besonderes. Die Erinnerungen an denkwürdige Gigs in der Hansestadt reicht weit zurück, egal ob Headbangers Ball Room, Logo, Knust, Grünspan oder eben die Markthalle, die Fans im hohen Norden waren immer schon fanatisch in jeder Beziehung. Die Markthalle ist pickepacke voll und komplett ausverkauft und eine gewisse Euphorie und Vorfreunde schwingt bei allen Bands den ganzen Tag mit. Getrübt wird das alles ein wenig von der beginnenden Tourseuche (Husten, Schnupfen, Halsschmerzen), die auf Tourneen generell nahezu unvermeidlich sind. Bedingt durch die räumliche Enge und die nicht immer astreine hygienischen Bedingungen muss da jeder im Verlauf einer Tour mal durch. Zum Glück ist es heute fast 20 Grad warm und sogar die Sonne wagt sich heraus, so dass man die muffigen Backstageräume auch mal verlassen kann. Wir stellen uns heute auf die totale Sauna ein, denn in der Markthalle wird es immer extrem heiß. Haben wir noch in guter Erinnerung, als wir vor zwei Jahren die Earthshaker-Roadshock Tour gespielt haben. Im Gegensatz zu damals sind heute nochmal 600 Leute mehr da und die Temperaturen während des Gigs sind wirklich sagenhaft schwül und heiß. Fühlt sich ein wenig an, wenn man in Asien aus dem Flugzeug steigt und die Hitzekeule verpasst bekommt. Fans und Reiter sind nach dieser intensiven Stunde platt wie die Flundern, aber glücklich. Wir fühlen uns ein bisschen nach Day-Off. Aber der Blick auf den Tourplan verrät: es wird keinen Day-Off geben, noch 18 Shows ohne Pause, 18 mal Wahnsinn und alles geben. Die Backstage-"Party" bei den Reiter beschränkt sich heute daher (mal wieder) auf literweise Wasser trinken. Wie müde Krieger schleppen wir uns dann nochmal zum Bahnhof um einen Nachtimbiss einzunehmen. Und überlegen ernsthaft, ob wir für die Strecke, die man in 5 Minuten laufen kann, rückwärts ein Taxi nehmen. Na gut, so schlimm ist es dann doch nicht. Morgen die erste Auslandsshow, Holland wir kommen. Over & Out.


14.09. NÜRNBERG – HIRSCH [Akku leer, leider keine Bilder]
So ein Sauwetter aber auch. Und dann noch eine Panne auf der Autobahn. Wumm, wumm, die Autos rasen nur wenige Zentimeter am Bus vorbei, der mangels Standstreifen wirklich abenteuerlich notgeparkt werden muss. Das Rad vom Korpi/Ex Deo/Alestorm Bus hat sich mit lautem Knall verabschiedet. Zum Glück fahren die Busse immer in Kolonne, so dass bei solchen Vorfällen gleich jemand helfend zur Seite steht. Nun gut, der Abschlepper wird erst in zwei Stunden da sein, da es bereits auf Mittag zugeht und wir nur noch knapp 50 km nach Nürnberg haben, entscheidet der Tourmanager, dass alle Insassen des liegengebliebenen Busses in unseren umsteigen müssen, ein Gebot der Vorsicht. Gar nicht auszudenken, wenn ein Auto oder LKW in den stehenden Bus reinknallen würde. Die Kanadier/Finnen/Schotten sind über die Entscheidung gar nicht amüsiert. Sie haben sich gestern allesamt ins Delirium gesoffen und der Einmarsch in unseren Bus spottet jeglicher Beschreibung. Verkaterte, übermüdete, völlig zerstörte Zombies nehmen auf den Sitzen in der unteren Etage unseres Busses Platz. Die Finnen können nicht verstehen, wieso wir mehrere volle Kästen Bier im Bus haben und leisten umgehend Abbauarbeiten. Konterbier-Time! Das Frühstück in Nürnberg fällt dann zur Freude alle sehr Würstchenlastig aus, wie sollte es auch anders sein. Der W-Lan Code (ein 30 stelliges kryptisches Monster) ist der Aufreger des Tages, besonders weil das Netzwerk unter dem Ansturm der gefühlten 150 Laptops immer wieder zusammenbricht und man den Code aufs Neue eingeben muss. Alestorm sind bekanntermaßen Schlager-Fans und ziehen sich den ganzen Tag irgendwelchen Müll bei Youtube rein. Und singen noch dazu. Hilfe. Um halb drei kommt dann endlich Bus 2 samt Hänger an, jetzt muss mit Hochdruck die Bühne aufgebaut werden, denn in unserem Hänger ist fast ausschließlich Merchandise (50 Kartons) geladen. Der Hirsch ist nahezu ausverkauft und die Stimmung wieder mal bombig. Verpasse heute die ersten Bands, weil ich mir den neuen Alien-Kracher District-9 reinziehe, fühle mich prächtig unterhalten. Nürnberg ist heute fest in Reiter-Hand. Man merkt das eigentlich auch immer ganz gut an den Umsätzen beim Merchandise. Die Franken räubern unsere Bestände derartig, dass wir nahezu auf dem Trockenen sitzen. Wir haben in 4 Tagen so viel verkauft, wie wir eigentlich für 14 Tage eingeplant hatten. Zum Glück haben wir bei unserer Shirtfirma Imperial Clothing in Leipzig ein üppiges Vorratslager angelegt. Der Nachtkurier muss los, damit wir heute in Hamburg nicht mit leeren Kartons, bzw. Händen dastehen. Bei Dauerregen verlassen wir Nürnberg, wir sagen Danke und auf Wiedersehen. Auf nach Norden…


13.09. BERLIN – COLUMBIA [Bilder]
Die Amis von Swashbuckle sind völlig aus dem Häuschen, als es in die Hauptstadt geht. Nicht nur deswegen, weil in den Staaten gerade ein völliger Berlin-Hype ausgebrochen ist, sondern weil sie wohl auch tatsächlich geschichtlich interessiert sind. Wir quatschen ziemlich lange über die Mauer, Ost/Westdeutschland. Vielleicht liegt es am verregneten Sonntag oder am delikaten Frühstück, dass uns im Columbia serviert wird, aber heute wird irgendwie ein Plaudertag. Ist ja sowieso spannend, wenn 40 Leute plötzlich aufeinander treffen und dann für einen Monat irgendwie miteinander auskommen wollen/müssen. Anyway, der große Frühstücksraum ist irre gemütlich, die haben die leckersten Sachen aufgefahren. Obwohl die Amis das nicht wirklich zu schätzen wissen. Sie stopfen Weißbrot und Butter in sich rein, essen Süßigkeiten. Tourmanager David (gebürtiger Südafrikaner): "Müsst ihr immer diesen Scheiß in euch reinstopfen? Hier gibt es das leckerste Essen überhaupt." Naja, jedem wie es ihm gefällt. Der heimliche Renner heute morgen ist bulgarischer Rosenblattnektar. Rosa, quietschsüß aber sehr lecker. Riecht wie Seife, schmeckt wie Honig und einem Hauch zerkauter Rosenblätter. Danach kleiner Bummel um den Kiez. Der alte Flughafen Tempelhof, ein bisschen Laufen Richtung Kreuzberg. Der Sommer scheint vorbei, es ist richtig herbstlich. Zurück am Club hat sich draußen schon eine Traube Fans gebildet, die geduldig anstehen. Wird wohl auch heute wieder richtig voll werden. Soundcheck und Bühnenaufbau gehen nur schleppend voran, wir sind auch ziemlich angepisst, weil wir Teile unserer Bühnenaufbauten, die wir extra für die Tour angefertigt haben, nicht verwenden können. Anyway, die Show macht irre viel Spaß und das Berliner Publikum ist nicht zu bremsen. Da die Halle nach hinten etwas ansteigt, hat man von der Bühne einen irre guten Blick auf die Fans. Leider ist der Graben vor der Bühne ziemlich breit, so dass wir, für meinen Geschmack, etwas weit von den Leuten entfernt stehen. Ady schafft es, bei einem Sprung seinen Gitarrengurt über den Kopf zu streifen, so dass es ihm fast die Gitarre auf den Boden knallt. Nach einer Stunde muss leider Schluss sein. Das ist bei solchen Festivaltouren dann schon schmerzlich, aber die Zeitpläne sind nun mal, wie sie sind. In den Backstagekatakomben tobt derweil schon eine wilde Party. Diese wird noch ausgelassener, als Korpiklaani von der Bühne kommen. Die haben heute gut abgeräumt, wirkten aber etwas müde, weil sie am Vortag mächtig gesoffen haben (na gut, sie werden ihrem finnischen Ruf eigentlich immer gerecht). Aber direkt nach der Show sind die sehr aufgedreht und stimmen sogleich ihre gefürchteten Gesänge an. Selbst Alestorm-Fronter Chris (heute delikat mit einem Wladimir Putin Shirt bekleidet) wird es irgendwann zu viel und rennt schreiend aus dem Raum. Ex Deo/Kataklysm-Drummer Max schwärmt derweil draußen auf dem Gang von den tollen Bedingungen, die bei Touren in Europa herrschen. Das, was er von Amerika erzählt, klingt nicht gut. Schlechte Klubs, miese Technik, kein Catering und so weiter. Den Vogel des Abends schießt aber Korpi-Basser Jarkko ab, der den ultimativen Trick drauf hat, damit ihm fremde Mädchen ihre Brüste zeigen: "Ich sage denen immer, meine Freundin ist bisexuell und ich möchte ihr als Geschenk ein Bild von deinem Busen mitbringen." Höhöhö.

12.09. LEIPZIG – HELLRAISER  [Bilder]

In Sonne getaucht erwartet uns die Sachsenmetropole zur Mittagszeit. Hinter dem Hellraiser befindet sich ein riesiges, verfallenes Bahndepot der ehemaligen DDR-Reichsbahn. Wir haben hier vor knapp zehn Jahren die kultige Fotosession zu "All You Need Is Love" gemacht. Erinnerungen werden wach. Schon krass, wie sich die Natur binnen einer Dekade ihren Platz zurückerobert hat. Die riesigen Hallen sind mittlerweile mit riesigen Blechen, die über die Eingangstüren montiert worden, gegen illegale Besucher gesichert worden. Naja, die Fenster sind allesamt eingeschmissen und so ist es trotzdem ein leichtes, hinein zu kommen. Der Nachmittag vergeht heute wie im Fluge. Der erste Muskelkater von gestern ist spürbar, Fuchs hat sich den Fuß gestern beim Sprung verstaucht, aber zum Glück erweist sich die Verletzung als nicht ganz so dramatisch, wenngleich ziemlich schmerzhaft. Aus unerfindlichen Gründen liegen in unserem Backstage massig Popcorn und Mädchen Zeitschriften herum. Wir pimpen erstmal unseren Raum (ein Michael Jackson Poster Special Heft, yeah!) und checken, was dem Nachwuchs für Schwachsinn eingeimpft wird. Sehr lecker ist das Busenspecial im aktuellen "Mädchen". Frage: Gibt es den perfekten Busen? Naja, eine Frage, über die man vortrefflich streiten kann. Wäre nicht das grässliche Neonlicht von der Decke und der Umstand, dass die Toiletten irgendwann ausfallen, könnte fast so etwas wie gemütliche Stimmung aufkommen. Die Leipziger Meute ist im Party-Modus und jede Band wird heute fett gefeiert. Besonders Alestorm haben heute die Party-Trümpfe in der Hand und die Euphorie verleiht den Schotten auch nach der Show einen enormen Alkohol-Drive. Unsere Show steht der gestrigen in nichts nach. Die Temperaturen sind etwas angenehmer, schön viele Stagediver, beste Laune von der ersten bis zur letzten Reihe. Wir sind happy! Die Toiletten gehen immer noch nicht, die Duschen sind auch ausgefallen und das versprochene Abendessen kommt und kommt nicht. Nur das Neonlicht arbeitet grell und erbarmungslos. Stinkend geht es in die Koje. Rock'nRoll ist kein Deodorant *smile*. ....


11.09. MÜNCHEN – BACKSTAGE [Bilder]
Tourstarts sind in der Regel der blanke Horror, bzw. das Chaos wird an dem Tag gern großzügig verteilt. Insofern überrascht es durchaus, dass heute alles so relativ stressfrei abläuft. Mitternacht st


   Rank         Bewerten
5    






    

Kommentar schreiben / Benutzer: Gast
Einstellungen Text
Kursiv / Italics: [i]text[/i]
Fett / Bold: [b]text[/b]
Unterstrichen / Underline: [u]text[/u]
Links: [url]http://www.domain.de[/url]



Emotions:
Very Happy Smile Sad Surprised Shocked Confused Cool Laughing Mad Razz Embarassed Crying or Very sad Evil or Very Mad Twisted Evil Rolling Eyes Wink Exclamation Question Idea Arrow 
Neutral Mr. Green That's Right 

  Bitte gib den Sicherheitscode ein

Kommentare 1 - 10 von insgesamt: 17
Gast
Kommentare :
07.10.2009 20:01
 
griaß eng
woit neta sang das ihr in linz einfach da hamma warts
i hab eng jet schau a par moi live gseng
und ihr sats einfach saugeil
oiso kompliment für des geile konzert
greetings ausm salzkammergut und
RIDE ON!!!!!
Gast
Kommentare :
06.10.2009 19:18
 
hallo volkman mal wieder ein super tagebuchbericht.hab vielen dank für ein sehr nahes dabei n wenn auch diesmal nur am pc.hoffe ihr kommt mal wieder nach rostock.gibt ja auch noch andere clubs als den mau
Gast
Kommentare :
05.10.2009 09:45
 
danke für das tolle tourtagebuch und ein hammer konzert in wien
Gast
Kommentare :
03.10.2009 02:55
 
Was soll man sagen ... ?!
Hab mir mal des ein oder andre auf Youtube über euren Busbrand reingezogen. Ich wär ziemlcih in Panik ausgebrochen! Hierzu GUT DAS ALLES GUT GING! und schade das ihr net in Mailand wart ...

Naja also in Dortmund war ja mal bombe!!! Lange nimmer so ein textsicheres Publikum erlebt.

Wir sehen uns dann am 26. und 29.12
Bis dahin:

Ride on! Das Wiesel
Gast
Kommentare :
01.10.2009 13:14
 
naja noch mal schwein gehabt...

Dann alles gute zu den Geburtstagen!

Gruß Atze
inga
Kommentare : 8
30.09.2009 20:44
 
Puuh - Ihr Glückskinder! Schön zu wissen, dass alle nach dem Busbrand wohlauf sind!!! Bitte passt weiterhin gut auf Euch auf!
inga
Kommentare : 8
27.09.2009 18:00
 
Auch an dieser Stelle nochmal viiiielen Dank für das tolle Tagebuch und die Fotos!!! Ist inspirierend und man bekommt direkt Fernweh...
Gast
Kommentare :
27.09.2009 14:36
 
Hallo ihr Reiter,
die Show gestern in Stuttgard war DER WAHNSINN!! Ihr habt einen super Sound gehabt und soweit ich das für mein erstes Reiter Konzert beurteilen kann wart ihr auch topfit! Ich muss sagen es hat mir noch nie so Spaß gemacht bei einem Konzert in der Art beizuwohnen, weil ihr einfach eine Energie an den Tag legt, die wirklich jeden mitreißt! Leider war die Show viel zu kurz aber nun gut, ihr könnt ja nichts dafür! Für mich wart ihr auf jeden Fall der Höhepunkt des Abends (an 2. Stelle Unleashed!).
Was ich auch sehr toll finde ist, dass ihr eure Fan-Nähe wirklich zu pflegen wisst. Die spontanen Autogrammstunde am Merch-Stand war wirklich sehr herzlich. Jetzt ist meine Kutte wirklich heilig ! Ich find das schönste an euch Jungs ist, dass ihr einfach nette, bodenständige Kerle seid und trozdem euch an eurer Genialität, Freude in das Herz eines Jeden bringen zu können, allzeitlich bedient!!!
Ich weiß, mein Kommentar sprozt nur so vor Lobpreisung aber ich kann wirklich nach meinem ersten Reiter Konzert keinerlei Kritik äußern, sorry .
sonnigste Grüße aus der Pfalz!
Gast
Kommentare :
25.09.2009 19:38
 

Hallo Mitreiter,
Naja, Illingen war nicht der Hammer, was man aber weniger den Bands, als viel mehr dem Veranstaltungsort zur Last legen sollte. Spielt doch nächste mal in Saarbrücken, selbst nach Mainz würde es echte Reiterfans aus dem Saarland treiben .
Ansonsten war Captain Nobeard, was die Fannähe angeht spitzenmäßig^^ (räusper) und die Songliste war auch gut sortiert (Eruption, Wenn ich träume, Der Weg hätten vll noch gepasst). Die Bühnenshow war ganz okay, wobei ich gestehen muss ein von Rammstein verwöhnter Bängel zu sein. Geübter als beispielsweise Eisbrecher seid ihr allemal!

Grüße aus dem Saarland,
Ponylypse

P.S.: "Provinz" hin oder her- aus Weimar waren einst auch gewähltere Liebkosungen zu vernehmen.



   1 | 2 |
Facebook


Online-Shop

Supporters
brainsquad werbeagentur münchen

Upcoming Shows
2017 THE TIME HAS COME

Login / Anmeldung
Login:   
Passwort:

Register Account
Forgot Password?